Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 34, 28. August 2010
Containerschiffe unter weiß-blauer Löwenflagge
Bayerns erfolgreicher Mittelstand: Conti-Reederei, München
München – Weiß-blau mit einem bayerischen Löwen – das ist die Flagge der Conti-Reederei. Mit diesem Banner fahren 83 Schiffe, mehrheitlich Container-Riesen, über die Weltmeere. Denn die Zentrale der Unternehmensgruppe hat ihren Sitz in München-Riem. Die Reederei verfügt über etwa 3,3 Prozent aller Containerschiffe – und ist damit eine der großen der Welt.
Die derzeit größten Schiffe unter der weiß-blauen Löwenflagge, wie beispielsweise die „Conti Everest“, die bei ihrer Taufe im Juli 2004 das größte Containerschiff der Welt war, haben Platz für über 8200 Standardcontainer. Würde man die „Conti Everest“ mit ihren 334 Metern Länge neben die Münchner Allianz-Arena stellen, würde sie vorne und hinten noch jeweils 40 Meter über das Stadion hinausragen.
Die Wurzeln des bayerischen Unternehmens reichen zurück bis 1970. Einige Unternehmer schlossen sich – damals noch unter dem Namen Cosima-Reederei – zusammen, um in den aufstrebenden Markt der Containerschifffahrt zu investieren. Während der Welthandel in den letzten Jahren etwa um 6 bis 7 Prozent jährlich zunahm, lag der Zuwachs im Containerumschlag von Conti bei 10 Prozent.
„Das wird auch weiterhin so bleiben“, ist Wolfgang Menzl überzeugt. In zehn bis zwölf Jahren dürfte sich der Containerumschlag noch einmal verdoppeln, schätzt der bei der Tochtergesellschaft Conti Corona für Marketing und Vertrieb zuständige Geschäftsführer. „Zuletzt war der Markt dynamischer als die Prognosen, das haben wir in keiner anderen Branche.“
Von Riem aus werden die Märkte analysiert, Schiffe konzipiert und deren Finanzierung – meist über KG-Modelle – organisiert. Neu ist die Diversifizierung auf den Tankermarkt: Ende Februar wurde ein 177 Meter langer Produkten-Tanker in Dienst gestellt. Die Betreuung der beteiligten Anleger erfolgt ebenfalls von Riem aus, während zwei Bereederungsgesellschaften in Bremen und in der Nähe von Hamburg für das nautische Management zuständig sind, an denen Conti ebenfalls beteiligt ist.
In der Zentrale in Riem, einem container- und schiffsähnlichen Gebäude, haben gut 80 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Mit den Besatzungen an Bord sind es insgeamt 2500 Menschen, die für Conti arbeiten. Die Schiffe selbst sind langfristig an große Reedereien verchartert, die sich um die Fracht kümmern. Die Chartererlöse daraus beliefen sich im Jahr 2006 auf rund 541 Millionen Euro.
Auf Qualität achtet man bei Conti nicht nur bei den Finanzierungsprojekten. Viele der Schiffe wurden auf deutschen Werften gebaut. Und mehrheitlich fahren sie auch unter deutscher Flagge und mit deutschen Seeleuten in den Offiziersrängen. Das treibt zwar die Personalkosten in die Höhe, so Pressesprecher Oliver Lewark, „aber dass sich die Investition in qualifiziertes Personal lohnt, zeigt sich im nahezu störungsfreien Schiffsbetrieb“.
Beteiligt an den Schiffen sind über 22 000 Anleger, gut ein Drittel davon aus Bayern. War eine Investition in ein Schiff früher an dessen Lebensdauer oder Verkauf gebunden, so existiert seit ein paar Jahren ein „Zweitmarkt“. Auf diesem können die Anteile zu einem fairen Preis gehandelt werden, wenn man doch einmal das investierte Geld früher als geplant wieder braucht. Volker Göbner




